Jakob Milich
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Addenda zum Biogramm
- Jacob Milich hatte einen namentlich nicht bekannten Bruder, ihr Vater, ebenso unbekannt, war Amtmann in Freiburg (Melchior Adam, 92; Scheible, 385-387; MAV Druck 16 2667, Biv).
- Zur Immatrikulation in Wien entrichtete Milich eine Gebühr in Höhe von 43 den. (Szaivert/Gall, Milich war inskribiert in der Natio Renensium).
- Im Laufe seiner universitären Laufbahn war Milich unter anderem Schüler von Joachim Vadianus, Konrad Heresbach, Desiderius Erasmus, Ulrich Zasius, Henricus Loriti Glareanus, Nikolaus Gerbel (1485-1560) und Philipp Melanchthon (Scheible, 385; Burmeister, 388; Jakob Franck).
- Philipp Melanchthons guter Ruf soll Jacob Milich dazu bewogen haben, sein Studium an der Leucorea fortzusetzten (Jakob Franck; Hofheinz, 310; Friedensburg, 1917; 211; Adam 1715, 92f.). Eine innige wie akademisch produktive Freundschaft verband beide seit jeher (passim).
- Milich ehelichte am 11. Juni 1529 Susanna Moschwitz, die Schwester der Anna Moschwitz, was ihn zum Schwager von Augustin Schurff machte (Koch, 318; Scheible; Plateanus, Biiir).
- Der humanistisch gebildete Mediziner Milich war im Besitz einer ansehnlichen Privatbibliothek, die er womöglich seinem Sohn und Arzt Heinrich Milich vermachte (Burmeister, 389; Clemen).
- Die astrologische Begeisterung Milichs, eine, die vor allem auf der Kommentierung des zweiten Buches der Naturalis historia beruht, scheint von seinem Sohn Jakob Milich II. geteilt worden zu sein (MAV Drucke; Zinner, besonders 250; Burmeister, 388f. (nur Burmeister meint, Jacob Milich habe eine Professur für Kosmologie sowie eine Pliniuslektur in Wittenberg bekleidet); Mondkrater, der nach Jacob Milich benannt worden ist).
- Nach Mayer soll Milich in Wittenberg neben Medizin auch Jura studiert haben, was durch Aussagen von Klose wie Zedler bestätigt wird, aber sonst nicht belegt werden kann. Gleiches gilt für die Behauptung, Milich habe Vorlesungen über Geschichte gehalten (MAV Druck 16 2971; Zedler; Klose; Mayer; Burmeister, 388; Melchior Adam, 94).
- Noch im 17. Jahrhundert findet Milichs Pliniuskommentar Erwähnung in gelehrten Kreisen (Sozinianischer Briefwechsel).
- Abgesehen von seinen akademischen Schriften ist Milich literarisch nicht sehr hervorgetreten. In dem ihm gewidmeten Epikedeion sind ein Epigramm sowie sein persönliches Wappen (Sagittarius-Kentaur) und eine poetische Version des 85. Psalms aus dem Jahr 1553 erhalten (Hofheinz, 311; MAV Druck 16 2667, Diif.; Olearius 1698, 173f.).
- Bevor der Mathematiker Milich zum ersten mal ordiniert wurde, leitete er das Paedagogium im Jahre 1524 (Scheible, 385; Koch, 318; Hartfelder 1892, 138; Hofheinz, 310, der ihn zwischen 1523-1525 unterrichten lässt; Junghans 2005, der ihn von 1525-1529 im Paedagogium verortet).
- Im Jahre 1527 ist Milich in die Artes-Fakultät und am 21. November 1536 (alternativ, nach Scheible, am 27.11.1536) in die Medizinische Fakultät rezipiert worden (Scheible, 385; Koch; Hofheinz, 310).
- Die beständige Geldnot, unter welcher Milich Zeit seines Lebens litt, überwand er erst mit der Erlangung der zweiten medizinischen Professur, die, dank einer Supplikation Melanchthons an den Kurfürsten, nun eine erhöhte Besoldung mit sich brachte (Hofheinz, 25, 310f.; Hartfelder 1889, 537; Friedensburg 1917, 212f.; Müller 1715, 275-278).
- Ausschließlich Scheible weist ein medizinisches Lizentiat für Milich (Promotionsdatum ist identisch mit Kochs Dr. med. Promotionsangabe für Milich) nach (Scheible, 385; Koch 318).
- Milich soll als Professor der Medizin eine Privatpraxis in Wittenberg unterhalten haben, es ist jedoch nicht eindeutig, in welchem Zeitraum er Patienten aufnahm (Hofheinz, 310; Klose; mutmaßliches Anfangsdatum ist 1536 (Promotion zum Dr. med.), Enddatum ist unbekannt).
- Zusammen mit Philipp Melanchthon reiste Milich im Jahre 1536, kurz vor seiner Promotion, nach Bretten, von wo aus Milich allein nach Straßburg, Freiburg im Breisgau und Tübingen weiterreiste, um schließlich, zusammen mit Melanchthon, nach Wittenberg zurückzukehren (Scheible, 385).
- Augustin Schurff und Milich erwarben im Jahre 1537/38 benachbarte Grundstücke mitsamt Rohbauten von der Universität in Wittenberg, auf denen sie ihre privaten Häuser errichteten (Müller 1911, 333).
- Milich unterhielt Kontakte u.a. zu Helius Eobanus Hessus, Thomas Blarer, Johannes von Botzheim, Michael Stifel, Wolfgang Lazius, Lucas Cranach d. J., Erasmus Reinhold I. und Paul Eber (1511-1569) (Hartfelder 1892; Scheible 385f.; Friedensburg 1917, 232; Burmeister 388f.).
- Es ist nicht ganz auszuschließen, dass Milich eine Zeit lang Stadtarzt in Nordhausen war. Sollte dies der Fall gewesen sein, muss er die Tätigkeit irgendwann zwischen 1538 und 1546 ausgeübt haben (mutmaßlicher TPQ ist die Bestallung von Tarquinius Schnellenberger als Physikus, mutmaßliches Enddatum ist Milichs Bestallung als Physikus in Magdeburg (Lesser/Förstemann, 210).
- Wie sein nicht direkter Vorgänger in der Professur Peter Burckhard wertete auch Milich die arabische Medizin gegenüber der griechischen ab (Scheible, 385; Friedensburg 1917, 212; Burmeister, 388; Klose; Helm, 33; Hofheinz 311).
- Im Beisein von Melchior Fend und Heinrich Paxmann führte Milich 1554 eine anatomische Untersuchung an einer wegen Kindsmordes hingerichteten Magd durch (Scheible, 386).
- Philipp Melanchthons (Commentarius) de anima entstand in Zusammenarbeit mit Jacob Milich (Scheible 2010c; Hofheinz, 14, 17f.).
- Unter Jacob Milich promovierten Johann Albrecht, Johannes Dumerich, Melchior Fend, Severin Göbel I., Johannes Karsch, Friedrich Lohr, Paul Luther, Johannes Nather, Hieronymus Oeder, Veit Winsheim, Caspar Peucer I., Johannes Placotomus I., Christoph Schönitz, Johannes Sigismund, Paulus Vadinus, Guarinus Weygandt und Kaspar Wilhelm (Koch).
- Jacob Milich verstarb an einer Apoplexie und ist in Wittenberg auf dem Friedhof der Stadtpfarrkirche St. Marien bestattet worden (Burmeister, 388f.; Koch, 318; Reusner, Oiiiiv; Herzog).
Literatur und weiterführende Links
- Bildnisse: http://leo-bw.de/web/guest/detail/-/Detail/details/PERSON/wlbblb_personen/117041777/X; http://ores.klassik-stiftung.de/ords/f?p=900:3:::::GND:117041777; http://digiporta.net/?sf=2&al=117041777; http://portraitindex.de/dokumente/pnd/117041777
- Böhmer/Kabus 1981, 50
- Burmeister 2015, 122f., 206, 485f., 388-390
- CIV: https://www.civ-online.org/de/service/datenbank/#/matrikel/59cbe9a4d310d8380000a0e8
- Clemen 1902, 146f.
- Disselhorst 1929, 84
- Eusebius Menius
- Förstemann 1841, 159, 192, 246, 317
- Friedensburg 1917, 211-214, 228, 232, 255, 273f., 276, 287
- Friedensburg 1926, 163, 185, 201, 425
- Hamel 1987-1993, Bd. 2, 182
- Hartfelder 1889, 98, 102, 241, 321, 527, 537
- Hartfelder 1892, 57, 90, 94, 129, 131, 136, 165f., 240
- Helm 1970, 33, 77
- Herzog 2023, 62
- Hofheinz 2001, 14, 17f., 25f., 26, 28, 37, 64, 126, 137, 160, 168, 178, 198, 242, 308-311, 314
- Jakob Franck
- Junghans 2005, 250, 261, 264-268
- Kaiser/Völker 1980b, 14f.
- Klose 1999, 231f.
- Klose 1999b, 147v
- Koch 2007, 292 und 318.
- Köstlin 1888,15, 19, 22-5
- Lesser/Förstemann 1860, 210
- Mayer 1907, 210, Nr. 6 (=Matrikel Freiburg)
- Melchior Adam, 92-97
- Milichs Mondkrater
- Müller 1715, 272-279
- Müller 1911, 332f., 347
- Nikolaus Reusner: Icones, Oiiiv-Oiiiiv, 471
- Olearius 1698, 173f. (eine Version des 85. Psalms aus dem Jahre 1553)
- RAG: https://resource.database.rag-online.org/ngRH8C274QJ03gnplQKg3PdU
- Scheible 2010c, 80
- Scheible 2019, 385-387
- Silvia Pfister
- Sozinianischer Briefwechsel
- Szaivert/Gall 1967, 452 (=Matrikel Wien)
- Theodor Plateanus
- WA Br 1947, 298-301
- Zedler
- Zinner 1964, 47, 185, 192, 198, 202, 213, 219, 236, 255