MAV Druck 17 2514
Aus MAV
Enthaltene Disputationen und Promotionsreden
| Typ | Datum Beginn | Datum Ende | Ort | Titel | Schlagworte | Präses / Professor | Respondent / Graduierter | Anmerkungen |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Übungsdisputation | 1590 | 1590 | Universität Helmstedt | De magicis actionibus ἐξέτασις succincta sententiae Iohannis Bodini iureconsulti Galli opposita | Magie | Martin Biermann | Johann Petkum | |
| Pro gradu | 1608/10/19 | 1608/10/19 | Universität Wittenberg | De Melancholia eiusque speciebus ἀγωνίσμα | Melancholie | Tobias Tandler | Peter Schmilauer | |
| Pro gradu | 1608/10/19 | 1608/10/19 | Universität Wittenberg | De melancholiae indicationibus, prognosticis et curatione | Melancholie | Tobias Tandler | Johannes Joachim Anomoeus | |
| Übungsdisputation | 1602/03/05 | 1602/03/05 | Universität Wittenberg | De Noctisurgio | Schlafwandeln | Tobias Tandler | Gregor Horst |
Inhalt / Aufbau
Widmungsbrief von Tobias Tandler. Gerichtet an Johann Plateis und Johann Ernst Plateis
- Tandler verneint die antike These, dass Liebe / Zuneigung allein durch den Anblick ensteht. Er spricht sich für weitere Faktoren aus, die die gleiche Funktion erfüllen können, nämlich Verwandtschaft, Bildung und herausragende Leistungen, und erläutert dies anhand Beispielen.
- Mit den Widmungsempfängern ist er nun verwandtschaftlich verbunden aufgrund seiner Ehe mit Sibylle Strauch, der Witwe des Hieronymus Nymann. Er schätzt daher die Empfänger sehr, obwohl er sie noch nie gesehen hat. Lob der Bildung und Leistungen der Empfänger.
- Er widmet ihnen die zum ersten mal gedruckte Disputation De spectris zusammen mit einigen schon vorher gedruckten Disputationen, die er aufgrund ihrer Beliebtheit und ihres Bezugs zum Thema angehängt hat.
Reden und Disputationen von Tobias Tandler
- Index der enthaltenen Quaestiones.
- De spectris, quae vigilantibus occurrunt. Rede anlässlich der Promotion von Peter Schmilauer. Datum: 13.12.1608. Inhalt: Disputation über Spektra (= Illusionen, Einbildungen, Sinnestäuschungen und Geistererscheinungen), denen wache Menschen unterliegen. Es werden aufgrund verschiedener Ursachen drei Arten unterschieden:
- Täuschungen, die von Betrügern ausgeführt werden.
- Krankheitsbedingte Sinnestäuschungen, die auf eine Schädigung von Organen zurückgehen (depravatio organorum / vitium organi).
- Scheinbare Geisterscheinungen und Metamorphosen des eigenen Körpers. Ursache sind jeweils Dämonen. Weitere besprochene Phänomene sind Lykanthropie und Schreckbilder, die man vor seinem Tod sieht.
- S. 40. De Fascino et incantatione, Widmungsempfänger: Heinrich Abraham von Einsiedel und Ludwig Person. Datum: 24.10.1605. (Erstdruck in: MAV Druck 17 10)
- Widmungsbrief an Heinrich Abraham von Einsiedel und Ludwig Person. Inhalt: Reflexionen über die menschliche Erkenntnisfähigkeit. Ratio und experientia sind Vorraussetzungen dafür, dass man keinen Irrtümern erliegt. Tandler hat diese Disputation verfasst, weil das Volk einen unzweifelhaften Glauben an fascina (Verhexungen), incantationes (Zauberformeln), sagae (Hexen) und lamiae hegt. Er hat diese Materie mittels seiner ratio einer genauen Prüfung unterzogen und, um der Wahrheit willen, am Anfang seiner Professur öffentlich dargestellt. Nun lässt er die Disputation auch drucken. Eigentliche Widmung.
- Die Disputation untersucht die Ursachen und die Wirkmacht (potestas / facultas) von fascina und incantationes. Tandler sieht die Ursachen einerseits im Menschen selbst, d.h. in Krankheiten (d.h. einer corrupta natura), insbesondere der Melancholie, und einer Neugier (curiositas), die Dinge zu verstehen sucht, die mit dem Verstand (ratio) nicht erfasst werden können. Andererseits liegen die Ursache außerhalb des Menschen, in Form von Dämonen, die den Menschen täuschen und beeinflussen. Tandler spricht den fascina und incantationes tatsächliche Wirkmacht ab. Es sind reine Einbildungen / Selbsttäuschungen, die auf Krankheiten (und Neugier), Einnahme von Drogen oder dämonische Täuschungen zurückzuführen sind. Wirkliche Macht über die Natur hat nur Gott, kein Dämon und keine Hexe. Tandler bespricht dabei viele verschiedene Phänomene, wie angebliche Fälle von Teleportation, Metamorphosen, Liebestränke usw.
- S. 97-103: Verteidigung gegen Angriffe in Ludwig Philipp Elichs 1607 erschienenem Werk De Daemonomagia (https://gateway-bayern.de/BV008030129). Heftige Kritik an Werk und Person.
- De Melancholia et huius amolitione. Zwei Disputationen über Melancholie. Respondenten: Peter Schmilauer De Melancholia eiusque speciebus ἀγωνίσμα) und Johannes Joachim Anomoeus (De melancholiae indicationibus, prognosticis et curatione). Datum: 19.10.1608.
- De Melancholicorum vaticiniis aliisque mirandis operibus. Rede / Disputation von Peter Schmilauer. Eingeleitet wird sie durch den Jungen Caspar Magnus Hettenbach (den Sohn von Ernst Hettenbach), der die Fragestellung vorträgt, nämlich ob Melancholiker in die Zukunft sehen und andere erstaunliche Fähigkeiten entwickeln können (wie vorher unbekannte Sprachen zu sprechen). Schmilauer führt diese Phänomene teilweise auf Aberglauben oder erklärbare Ursachen zurück (z.B. können ungelehrte Personen lateinische Vokabeln aufgeschnappt haben und dann den Eindruck erwecken, sie beherrschten diese Sprache). Zudem gesteht er Melancholikern eine gewisse natürliche Begabung zu wenn es um systematische Vorhersagen aufgrund von Beobachtungen geht oder um auf Vermutungen basierende Aussagen zur Zukunft. Weissagungen, die in einem temporären (d.h. heilbaren) Wahnsinn getroffen wurden (divinatio delirantium), erklärt er hingegen durch die Auswirkungen der (materia) peccans der schwarzen Galle auf den Körper, die von Cacodaemones zusätzlich verstärkt werden (also das Zusammenspiel eines (verdorbenen) Körpersaftes und eines Dämonen).
- S. 180: De Noctisurgio. Respondent: Gregor Horst. Datum der Disputation: 05.03.1602. Disputation über Somnambulismus.
Weitere Werke (andere Autoren)
- S. 202-235: Hieronymus Nymann: De imaginatione oratio (Antrittsrede vom 29.11.1[59]3 (im Druck wohl fälschlich auf 1603 datiert)). Eingeleitet wird das Werk von einem Widmungsbrief des Herausgebers Tobias Tandler an Peter Haunold. Auf S. 207 nennt Nymann die Gründe für das Verfassen der Rede: Er will die Kraft der Seele zeigen und die elegante Einheit [eigentlich] ungleicher Dinge, und wie sich die wahre Medizin von abergläubischen Therapieversuchen unterscheidet. Auf S. 208 folgen Etymologie und Definition. Anschließend (S. 210-213) diskutiert er die Macht der imaginatio bei Schlafenden und Menschen mit vergleichbaren Sinneszuständen (d.h. bei Träumenden, Schlafwandlern, ecstatici usw.). Er führt diese Phänomene auf körperliche Ursachen zurück (wie eine prava humorum corporum dispositio) oder auch auf den Einfluss des Teufels, der die imaginatio des Menschen täuscht. Ab S. 213 bespricht Nymann mögliche Auswirkungen der imaginatio auf wache Menschen. Zwar könne man sich mit ihrer Hilfe alles vorstellen und sie sei die Mutter aller Wissenschaften, allerdings sei sie auch die Ursache aller Laster (wie Grausamkeit, Zorn, Habgier usw.) und von Meinungsunterschieden in allen Wissenschaften. Die imaginatio entsprechend disponierter Menschen kann bestimmte Effekte auf ihren Körper haben (heutzutage würde man von psychosomatischen Effekten sprechen). Besonders anfällig sind hierfür u.A. ängstliche Menschen (als Beispiel führt Nymann u.A. den Fall eines Menschen an, dessen Haare aufgrund von Todesangst innerhalb einer Nacht ergrauten). Ab S. 219 geht es um Krankheiten, die von der imaginatio ausgelöst werden können. So sind lt. Nymann in Pestzeiten ängstliche Menschen, die jeden Kontakt meiden, besonders anfällig dafür, Opfer der Seuche zu werden. Denn ihre Furcht mache ihre Säfte besonders geeignet dafür, die Seuche aufzunehmen. Weiter bespricht er beispielsweise die Auswirkungen, die der Anblick roter Farbe oder von Blut über die imaginatio auf die Säfte haben kann. Ab S. 222 diskutiert er mögliche positive Auswirkungen der imaginatio auf Krankheiten (heutzutage würde man vom Placeboeffekt sprechen), da sie einen positiven Einfluss auf die Körpersäfte und spiritus des Menschen haben kann. Schließlich (S. 228) wendet er sich der Frage zu, ob die imaginatio eines Menschen auch Einfluss auf den Körper anderer Menschen haben kann, und verneint sie.
- Ab S. 236: Martin Biermann: De magicis actionibus ἐξέτασις succincta sententiae Iohannis Bodini iureconsulti Galli opposita. Neuauflage einer Disputation Martin Biermanns über magische Praktiken. Sie ist gegen Jean Bodin gerichtet (vgl. MAV Druck 16 2121).