Joachim Camerarius II.
Vita
Fünftes Kind (von neun überlebenden Kindern) des Humanisten Joachim Camerarius I. und der Anna, Truchsessin von Grünsperg. Verbrachte seine Kindheit in Tübingen und Leipzig, besuchte seit 1548 die neugegründete Landesschule in Pforta.
Bereits 1544 (!) als Kind durch den Vater in Leipzig immatr., 1550 als Bacc. erwähnt; dann in Wittenberg; 1552 (wohnte dort bei Philipp Melanchthon; lt. Dougherty 1996, 48 - der auf Matr. Wittenberg verweist - erst 1558!); dann in Leipzig; 1553, 1557 zweijähriger, nicht ununterbrochener Aufenthalt bei Johannes Crato von Crafftheim in Breslau. Studium der Medizin in Padua; 1559 und in Bologna; 1559; 1562, wo er unter anderem bei Gabriele Falloppio und Ulisses Aldrovandi hörte; Dr. med. in Bologna; 27.7.1562.
Nach dem Studium praktizierte er in Nürnberg; 1564, wenig auch als Leibarzt von Haus aus für den Würzburger Fürstbischofs Veit II. von Würzburg; 1565 und des Bamberger Fürstbischofs Ernst von Mengersdorff. Außerdem beriet er die Fürsten von Sachsen u.a. in ärztlichen Fragen, trat aber nie eine Stelle als Leibarzt an einem Fürstenhof an.
28.2.1565 Heirat mit Justine Bernbeck (geb. ca. 1526-14.2.1566), Witwe der gewesenen Stadtärzte Johann Prünsterer (um 1526-1554), Arzt in Nürnberg seit 1551, und Johann Hess (verst. 1564), seit 1554 Stadtarzt. Die verstarb bei der Geburt des Sohnes (Joachim Camerarius III.): Mitteilung von Heinrich Wolff an Sebald Hauenreuter vom 14.2.1566 war sie vor dem 14.2.1566 im Kindbett verstorben: "Camerarii uxor in puerperio est mortua" (Heinrich Wolff an Sebald Hauenreuter vom 14.2.1566 (Oettingen-Wallersteinsche Bibliothek Harburg, Oe.B. VII.2o.6, S. 1)
Zweite Ehe mit Maria Rummel von Lonerstedt (ca. 1544-14.7.1577), Tochter von Balthasar RvH, Nürnberger Patrizier und Pfleger von Altdorf, mit ihr vier Kinder, drei Söhne: Balthasar (geb. 1571), Ludwig (1573-1651) und Christoph (1575-1602)) sowie eine Tochter Maria (* 1577).
25.8.1580 Heirat mit Ursula Hack von Suhl, gen. Thill, von ihr eine Tochter: Ursula (geb. 1581): sie soll einerseits 1589 verst. sein (Quelle? US), wird aber bis zum Todesjahr von Camerarius (1598) von den Korrespondenten mit Grüßen bedacht; von einer vierten Frau ist aber nichts bekannt (Wenning 2015, 46 f.)
Seit 1571 Bemühungen um Neuordnung des Gesundheitswesens in Nürnberg: 1592 Collegium Medicum, dessen erster Dekan er wurde: erst damals wurde er von der Stadt Nürnberg; 1592; 1598 mit 200 Gulden besoldet (Wenning 2015, 33): am 29.4.1589 sicherte er der Stadt zu, das Amt des Dekans des zu gründenden Collegium Medicum und die Apothekenvisitation übernehmen zu wollen; dadurch in den städtischen Dienst tretend, wolle er auf seine Reisefreiheit verzichten, hoffe aber, dass man ihm von Fall zu Fall Reisen zu seinen Patienten erlauben werde. Als Entschädigung forderte er eine jährliche Besoldung von mind. (!) 200 Gulden durch die Stadt. (Stadtarchiv Nürnberg, B 19 130, S. 9-11
Er veröffentlichte anatomische Tafeln (1573), seine Historia ossium infantis war grundlegend.
Er beschäftigte sich mit botanischen Studien, war unter anderem auch botansicher Berater von Landgraf Wilhelm IV. (Hessen-Kassel).
1583 hielt sich C. vorübergehend in Wittenberg auf (vgl. DS 382).
Werke
- Synopsis quorundam brevium sed perutilium commentariorum de peste, Autoribus aliquod excellentissimis medicis... Edita studio Joachimi Camerarii, Norimbergae, 1583.
- De plantis epitome utilissima Petri Andreae Matthioli …novis plane, et ad vivvm expressis iconibus ... aucta, & locupletata à Ioachimo Camerario, Francofortum, 1586.
- Kreutterbuch Des Hochgelehrten weitberümbten Herrn Petri Andreae Matthioli, Frankfurt, 1586.
- Hortvs Medicvs Et Philosophicvs + Sylva Hercynia, Franfurt, 1588.
- Symbolorum & Emblematum Ex Re Herbaria Desumtorum Centuria Una, Moguntiae, 1590.
- Symbolorum & Emblematum Ex Animalibus Quadrupedibus desumtorum Centuria Altera, Moguntiae, 1595.
- Symbolorum & Emblematum Ex Volatilibus Et Insectis Desumtorum Centuria Tertia, Moguntiae, 1596.
- Symbolorum Et Emblematum Ex Aquatilibus Et Reptilibus Desumptorum Centuria Quarta, Moguntiae, 1604 (post mortem).
Archivalien
- Ms 4721 - Bl. 260: autographe (Stammbuchblatt) von J. C. II. (vgl. hier und https://ccfr.bnf.fr/portailccfr/ark:/06871/004D49032795)
- JH.Msc.Med. 9, Nr. 26 - Verschreibung einer kräftigenden Arznei für die sächsische Kurfürstin, 1585 (Dig.: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:22-dtl-0000001585)
- JH.Msc.Med. 17 - Excerpta medica; Notiz auf Bl. 17: "scripsit Tho. Moufetus Anglus ad D. Joachimum Cam. Cal. Maii 80. Pragae"
- Slg. Darmst. L b* 1586 Camerarius - italienisches Stammbuchblatt (Foto vh.)
- Mscr.Dresd.C.336,Bl.155-156: Eigenh. Eintrag in Stöberlein: Theriaci et Mitridatii [über Gegengiftpflanzen]
- Mscr.Dresd.C.336,Bl.160: Eintrag in Hs.
- Mscr.Dresd.K.350,72: Werkmanuskript
- Mscr.Dresd.K.350,51-53: Med. Gutachten
- Lit.Rom.A.2070: Beiträger; Inhalt aus Kalliope nicht ersichtlich
- Mscr.Dresd.K.350,75: Dgl.
- Mscr.Dresd.K.66,Bl.41-42: Gutachten an August von Sachsen
- B 141: Bericht von 1585 (Kristeller 1983, 375a; nach Kohlndorfer-Fries 2009, 143 Anm. 70 ein Pestgutachten). Digitalisat: http://digital.slub-dresden.de/id32803486X; WiBr = DS 28403
- Ms. 1154.6 - "Plantae quae a me desiderantur", Heft v.d. Hd. des C. (Dig. vh.)
Archivio Borromeo, Isola Bella
- Misc. 9: Stammbuch des Hartmann Etter (frg.), darin der Eintrag eines "dominus Camerarius" (= Jo. II.?), um 1590. Kristeller 1992, 15b.
- Cent. V, App. 72 - Ph. Melanchthon, v. Casp. Hirsch. zus'gest. Auszug aus seiner Epigrammslg., 1557, Prov.: Joachim Camerarius (II) (sic).
- Cent. V, App. 73 - Joachim Camerarius II, Anthologie aus griech. u. lat. Autoren, 1555
- Sup. ep. 47, 205 - Gedicht für einen Unbekannten
- Sup. ep. 47, 251 - Psalmübersetzung des Richard Hemelius für ihn (oder Joachim Camerarius I. (o.D.)
Russische Staatsbibliothek Moskau
- Fonds 943 Kaliningrad, Nr. 60 (früher Stadtbibliothek Königsberg (Preußen), S 96 4°) - J.C., De re rustica (unbek., ob Druckabschrift oder Autograph); Nachweis: Barow-Vassilevitch 2016, 74
Literatur
- Fischer 1931
- Gröschel 1977
- Hunger 1943, Bd. 2: 5-8 mit weiterer Literatur
- Jöcher, I,1594f.; Kestner 168f.
- Kraus 1971, S. 605.
- Killy, Bd. 2, 350 (mit weiterer Literatur)
- Olmi 1991
- Zedler, Bd. 5, Sp. 394f.
- Wenning 2015
- http://www.forschungen-engi.ch/aktivitaeten/programm11.pdf (Mährle)== Briefe ==
- Einen Brief des Jacques Bongars vom 23.5.1593 druckt Kohlndorfer-Fries 2009, 207 Anm. 22 teilweise ab, mit falscher Quellenangabe.
Trew (Schmidt-Herrling: 92-95); 120 Briefe StUB Hamburg Nachlaß Rittershausen (1560-1613) (in Uffenbach TW?); Brief an den Rat der Stadt vom 29. April 1589 im Stadtarchiv Nürnberg (ed. Gröschel); UB Basel: 12 Briefe an JJ Grynäus; 20 an Theodor Zwinger: Fr. Gr. Ms. II 28 (u.a.); an C. Bauhin: G 2 I 2 (157 u.ö.); 18 an Jakob Zwinger: Fr. Gr. Ms. I 12. ZB Zürich: an Kaspar Wolf: Ms F 57 (217, 220), 27 Briefe von ihm in: Hornung, Cista medica.