MAV Druck 17 1426
| Zitationsvorschlag | MAV Druck 17 1426 (03.09.2025), in: Medicinae Alumni Vitebergenses (MAV), https://mav.kallimachos.de/MAV_Druck_17_1426 |
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| VD16- / VD17-Nummer | VD17 23:294209N |
| Katalogeintrag | https://kxp.k10plus.de/DB=1.28/CMD?ACT=SRCHA&IKT=8079&TRM=%2723:294209N%27 |
| Jahr | 1624 |
| Sprache | Latein |
| Titel | De Scorbuto Tractatus Danielis Sennerti, Vratislaviensis, Silesii, D. .... Cui accesserunt eiusdem argumenti Tractatus & Epistolae Balduini Ronssei, Johannis Echthii, Johannis Wieri, Johannis Langii, Salomonis Alberti, Matthaei Martini
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| Digitalisate | http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10474699-9 |
| Drucker | Zacharias Schürer; Hiob Wilhelm Fincelius |
| Druckort | Wittenberg |
| Verfasser | Daniel Sennert |
| Beiträger | Boudewijn Ronsse; Johannes Echt; Johannes Wier; Johann Lange (1485-1565); Salomon Alberti; Matthäus Martini
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| Widmungsempfänger | Holger Rosenkrantz |
| Schlagworte | Skorbut; Widmungsbrief; Plica; Reflexionen über das Verhältnis zur Antike; Fortschritt; Syphilis; Anatomie; Botanik; Alchemie / Chemiatrie
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Weitere Auflagen und Nachdrucke
Zum Inhalt des Widmungsbriefes
In dem an Holger Rosenkrantz gerichteten Widmungsbrief erörtert Sennert, dass zu allen Zeiten medizinische Fortschritte gemacht wurden. Auch die translatio studii (hier: bonarum literarum illa in Imperiorum mutationibus per varias gentes peregrinatio) hat die Medizin vorangebracht, da '"jede Region andere Dinge hervorbringt" [1] Es folgt eine kurze Kulturgeschichte der Medizin, die den Übergang der medizinischen Vorrangstellung von den Ägyptern über Griechen, Römer, Araber auf Franzosen, Italiener und Deutsche beschreibt. Jede der genannten Nationen hat einen Beitrag zur Weiterentwicklung der Medizin geleistet.
Insbesondere auf dem Gebiet der Anatomie haben die zeitgenössischen den antiken Ärzte die Siegespalme entrissen. Sennert betont ferner die Fortschritte auf dem Gebiet der Botanik sowie die Leistungen der Chymie. Auch auf den übrigen Gebieten hat es vergleichbare Fortschritte gegeben. Man hat neue Erkenntnisse über den Körper und Krankheiten gewonnen, ja hat sogar Krankheiten entdeckt, die zuvor nicht bekannt waren. Als Beispiele führt Sennert die Syphilis (lues illa venerea, quam Gallicum morbum vulgo nominant) sowie den Weichselzopf an (Plica Polonica). Hinzu kommen Krankheiten aus der Neuen Welt, die, wie die aus ihr importierten Pflanzen, freilich nicht an sich neu sind, sondern erst in jüngster Zeit bekannt geworden sind. So wie jede Region nicht alle Pflanzen hervorbringt, so gibt es regionenspezifische Krankheiten, die in anderen Gegenden kaum oder gar nicht bekannt sind. Also gibt es auch Krankheiten, die von den Griechen nicht so genau beschrieben werden konnten, wie sie heute beschrieben sind.
Zu diesen Krankheiten gehört der Skorbut. Die Krankheit ist in Niedersachsen und bei den Küstenbewohnern der Ostsee und Nordsee heimisch und verbreitet. Zur Zeit der Vätergeneration begann man sie in medizinischen Schriften genauer zu beschreiben, so dass viele Leute, die sie vorher nicht kannten, Kenntnis von ihr gewannen. Aufgrund ihres erstaunlichen Symptome - man findet kaum eine Krankheit, die so vielgestaltig ist - hat er sich entschlossen, sie genauer beschreiben. Mit Bezug auf Salomon Alberti erklärt Sennert, dass sich die Krankheit mittlerweile verbreitet hat und man überall ihre seminaria findet.
Eigentliche Widmung an Holger Rosenkrantz und Erinnerung an gemeinsam verbrachte Zeiten an der Universität Wittenberg.
Anmerkungen
- ↑ Im lateinischen Text steht Cum enim omnis tellus omnia non ferat. Vermutlich handelt es sich um eine Anspielung auf Vergils berühmte vierte Ekloge, in der die Rückkehr eines goldenen Zeitalters u.a. mit folgender Wendung umschrieben wird: omnis feret omnia tellus (Ecl. 4, 39). Er betont durch die Anspielung umso stärker, dass die Antike nicht als goldene Zeit zu betrachten ist, in der alles, auch das medizinische Wissen, perfekt war.