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|Bearbeitungsstand=automatisch importiert
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|Drucker=Ambrosius Rothe; Zacharias Schürer Erben
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|VerfasserDruck=Daniel Sennert
|VerfasserDruck=Daniel Sennert
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|Schlagworte=Daniel Sennerts Practicae Medicinae libri; Gynäkologie; Lehrbuch; Pädiatrie; Widmungsbrief
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== Zum Inhalt des Widmungsbriefes ==
== Zum Inhalt des Widmungsbriefes ==
Sennert weist die Ansichten bestimmter Männer zurück, die Aristoteles folgend Behauptungen aufstellten, wie dass die Frau ein deformierter Mann sei (Vgl. ''De generatione animalium'' 2, 3 (737a 28 f.)) oder der erste Fehler der Natur (sc. bei der Zeugung)  (Vgl. ''De generatione animalium'' 4, 3 (767 b 9)). Aber Aristoteles habe nichts von der (christliche) Schöpfung gewusst. Die Natur, die Julius Caesar Scaliger als ''ordinaria Dei potestas'' (''Exotericae Exercitationes'' 188<ref>S. 257 in folgendem PDF: https://books.google.de/books?id=biJXAAAAcAAJ</ref> und 359, Sect. 11<ref>S. 466 in folgendem PDF: https://books.google.de/books?id=biJXAAAAcAAJ</ref>) bezeichne, tue alles auf Befehl des Schöpfers und durch seine Macht. Gott habe Mann und Frau geschaffen, damit durch sie das menschliche Geschlecht bewahrt und vermehrt werde und einst das ewige Leben im Himmel erhalte. Was für eine Natur wäre das, die darauf abziele, sich selbst zu zerstören und ihrem Zweck zuwider handle? Das menschliche Geschlecht würde ja untergehen, wenn nur Männer geboren würden. Und wenn es gegen die Absicht der Natur und nur ein Fehler wäre, dass eine Frau gezeugt werde, dann würden nicht so viele Frauen wie Männer geboren, da die Natur niemals so viele Fehler mache wie sie perfekte Dinge erzeuge.
Sennert weist die Auffassungen bestimmter Männer zurück, die Aristoteles folgend Behauptungen aufstellten, wie etwa dass die Frau ein deformierter Mann sei (Vgl. ''De generatione animalium'' 2, 3 (737a 28 f.)) oder der erste Fehler der Natur (sc. bei der Zeugung)  (Vgl. ''De generatione animalium'' 4, 3 (767 b 9)). Aber Aristoteles habe nichts von der (christlichen) Schöpfung gewusst. Die Natur, die Julius Caesar Scaliger als ''ordinaria Dei potestas'' (''Exotericae Exercitationes'' 188<ref>S. 257 in folgendem PDF: https://books.google.de/books?id=biJXAAAAcAAJ</ref> und 359, Sect. 11<ref>S. 466 in folgendem PDF: https://books.google.de/books?id=biJXAAAAcAAJ</ref>) bezeichne, tue alles im Auftrag des Schöpfers und durch seine Macht. Gott habe Mann und Frau geschaffen, damit durch sie das Menschengeschlecht erhalten und vermehrt werde und einst das ewige Leben im Himmel erhalte. Was wäre das für eine Natur, die sich selbst zerstören und ihrem Zweck zuwider handeln würde? Das menschliche Geschlecht würde ja zugrunde gehen, wenn nur Männer geboren würden. Und wenn es gegen die Willen der Natur und nur ein Fehler wäre, dass eine Frau gezeugt werde, dann würden nicht so viele Frauen wie Männer geboren, denn die Natur mache niemals so viele Fehler, wie sie Vollkommenes hervorbringe.


Dass es sogar mehr Frauen als Männer gebe, liege nicht nur an Kriegen, Reisen und anderen Gefahren, denen Männer ausgesetzt sind, sondern daran, dass es von Natur aus gut und notwendig sei. Man habe nachgewisen, dass in großen und bevölkerungsreichen (Stadt-)staaten wie Nürnberg nicht nur mehr Frauen lebten, sondern sogar etwas mehr Frauen geboren werden als Männer.  
Dass es sogar mehr Frauen als Männer gebe, liege nicht nur an Kriegen, Reisen und anderen Gefahren, denen Männer ausgesetzt seien, sondern sei von Natur aus gut und notwendig. Nachweislich lebten in großen und bevölkerungsreichen (Stadt-)Staaten wie Nürnberg nicht nur mehr Frauen, vielmehr würden sogar etwas mehr Frauen geboren als Männer.  


Zudem seien Frauen geistig und körperlich vollendet, soweit freilich, dass sie zur Zeugung des Menschen geeignet seien. Denn dass einige Frauen in Bezug auf ihr ''Temperament'' (hier im medizinischen Sinne gemeint) und die sonstige Konstitution ihres Körpers Männern beinahe gleichkämen, sei beim weiblichen Geschlecht keine Vollendung, sondern ein Makel. Und weil die Frauen bei der Zeugung andere Aufgaben hätten als Männer, müssten sie auch in der Öffentlichkeit andere Aufgaben übernehmen und auf jene Bestimmung hingelenkt werden, die für sie eigentümlich sei. Nur weil sie männliche Aufgaben nicht wahrnähmen, dürfe man Frauen nicht missachten, denn sie hätten andere Aufgaben.
Zudem seien auch Frauen geistig und körperlich vollendet, soweit freilich, dass sie zur Zeugung von Menschen geeignet seien. Der Umstand, dass einige Frauen in Bezug auf ihr ''Temperament'' (hier im medizinischen Sinne gemeint) und die sonstige Konstitution ihres Körpers den Männern beinahe gleichkämen, sei keine Vollendung, sondern ein Makel. Und weil die Frauen bei der Zeugung andere Aufgaben hätten als die Männer, müssten sie auch in der Öffentlichkeit andere Aufgaben übernehmen und auf die ihnen eigene Bestimmung hingelenkt werden. Nur weil sie keine männliche Aufgaben übernähmen, dürfe man Frauen nicht geringschätzen, denn sie hätten andere Aufgaben.


Nun schreibe aber Plato im 5. Buch von ''De Republica''###, dass Männer gemeinsam mit Frauen den Staat verwalten sollten; und Plutarch schreibe anderswo, dass Frauen und Männer an ''virtus'' (Tatkraft, Mut, Tüchtigkeit, Tugend) gleichwertig seien. Auch die Amazonen hätten Kriege geführt. An dieser Stelle folgen mehrere Beispiele antiker Herrscherinnen und Dichterinnen. Aber die genannten antiken Frauen, so fährt Sennert fort, hätten sich von den Aufgaben entfernt, die einer Frau zukämen. In diesem Bereich seien sie Männern unterlegen. Überlegen aber seien Frauen in Bezug auf ihre Schönheit, ihre elegante Gestalt, ihr Gesicht und die Anmut ihres ganzen Körpers.  
Nun schreibe aber Plato im 5. Buch von ''De Republica'', dass Männer gemeinsam mit Frauen den Staat verwalten sollten; und Plutarch schreibe an anderer Stelle, dass Frauen und Männer an ''virtus'' (Tatkraft, Mut, Tüchtigkeit, Tugend) gleich seien. Und Amazonen hätten Kriege geführt. An dieser Stelle folgen mehrere Beispiele antiker Herrscherinnen und Dichterinnen. Die genannten antiken Frauen, so fährt Sennert fort, hätten sich von den Aufgaben entfernt, die einer Frau zukämen. In diesem Bereich seien sie Männern unterlegen. Überlegen aber seien Frauen in Bezug auf ihre Schönheit, ihre elegante Gestalt, ihr Gesicht und die Anmut ihres ganzen Körpers.  


Sennert zitiert an dieser Stelle ein Gedicht Anakreons#####, in dem die Natur jedem Tier eine eigene Aufgabe / einen eigenen Bereich zuweist, den Männern Klugheit und den Frauen die Macht der Schönheit.
Sennert zitiert an dieser Stelle ein Gedicht Anakreons<ref>Es handelt sich um Fragment 24</ref>, in dem die Natur jedem Tier seine eigene Aufgabe / seinen eigenen Bereich zuweist, den Männern die Klugheit und den Frauen die Macht der Schönheit.


Aber nicht nur in Bezug auf ihre Gestalt seien Frauen Männern überlegen und leisteten einen Dienst für die Gemeinschaft, nämlich bei Geburt und Erziehung von Kindern sowie bei der Leitung der Familie. Es folgen lobende Worte auf die Leistungen, die Frauen in diesen Bereichen erbringen.
Aber nicht nur in Bezug auf ihre Gestalt seien Frauen Männern überlegen und leisteten einen Dienst für die Gemeinschaft, sondern auch bei der Geburt und Erziehung von Kindern sowie bei der Leitung der Familie. Es folgen lobende Worte auf die Leistungen, die Frauen in diesen Bereichen erbringen.


Es gebe nicht wenige Krankheiten, die frauenspezifisch seien. Diese Tatsache habe antike und zeitgenössische Ärzte dazu bewegt, eigene Bücher über Frauenkrankheiten zu verfassen. Sennert habe diese Ärzte nachgeahmt, weil er
Es gebe nicht wenige Krankheiten, die frauenspezifisch seien. Diese Tatsache habe antike und zeitgenössische Ärzte dazu veranlasst, eigene Bücher über Frauenkrankheiten zu verfassen. Sennert eifere diesen Ärzte nach. Denn nachdem er drei Bücher über Krankheiten geschrieben habe, die entweder beide Geschlechter oder nur Männer beträfen, schreibeu er nun ein Buch über Krankheiten und ''symptomata'', die spezifisch für Frauen und für Kleinkinder seien.
 
Eigentliche Widmung und Bitte um wohlwollende Aufnahme dieses Buches, das der Freund Sennerts und Leibarzt Marias, Johannes Schletzer, überbringe.


== Anmerkungen ==
== Anmerkungen ==
<references />
<references />
{| class="wikitable sortable"
|+ Importierte Daten
|-
! Name !! Rolle !! GND
|-
| [[Daniel Sennert]] || Verfasser || 117478091
|-
| [[Maria Eleonora von Brandenburg]] || Widmungsempfänger ||
|}

Aktuelle Version vom 3. September 2025, 18:00 Uhr

Zitationsvorschlag MAV Druck 17 392 (03.09.2025), in: Medicinae Alumni Vitebergenses (MAV), https://mav.kallimachos.de/MAV_Druck_17_392
VD16- / VD17-Nummer VD17 39:145264Z
Katalogeintrag https://kxp.k10plus.de/DB=1.28/CMD?ACT=SRCHA&IKT=8079&TRM=%2739:145264Z%27
Jahr 1632
Sprache Latein
Titel Practicae Medicinae Liber 4 (De Mulierum & Infantium Morbis)


Digitalisate http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10367314-0, http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10367319-1, http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10367324-5
Drucker Ambrosius RotheZacharias Schürer Erben
Druckort Wittenberg
Verfasser Daniel Sennert







Widmungsempfänger Maria Eleonora von Brandenburg
Schlagworte Daniel Sennerts Practicae Medicinae libriGenderGynäkologieLehrbuchPädiatrieWidmungsbrief


In Paratexten und Überschriften erwähnte Personen / Körperschaften / Gruppen Julius Caesar ScaligerJohannes Schletzer

Weitere Auflagen und Nachdrucke

VD16- / VD17-NummerVD16- / VD17-LinkJahrDruckortDruckerAnmerkungen
VD17 12:185494T1649WittenbergMichael Wendt
Tobias Mevius Erben
Digitalisat(e): http://mdz-nbn-resolving.de/urn:nbn:de:bvb:12-bsb10367334-0
VD17 14:630195G1660WittenbergElert Schumacher
Tobias Mevius Erben


Zum Inhalt des Widmungsbriefes

Sennert weist die Auffassungen bestimmter Männer zurück, die Aristoteles folgend Behauptungen aufstellten, wie etwa dass die Frau ein deformierter Mann sei (Vgl. De generatione animalium 2, 3 (737a 28 f.)) oder der erste Fehler der Natur (sc. bei der Zeugung) (Vgl. De generatione animalium 4, 3 (767 b 9)). Aber Aristoteles habe nichts von der (christlichen) Schöpfung gewusst. Die Natur, die Julius Caesar Scaliger als ordinaria Dei potestas (Exotericae Exercitationes 188[1] und 359, Sect. 11[2]) bezeichne, tue alles im Auftrag des Schöpfers und durch seine Macht. Gott habe Mann und Frau geschaffen, damit durch sie das Menschengeschlecht erhalten und vermehrt werde und einst das ewige Leben im Himmel erhalte. Was wäre das für eine Natur, die sich selbst zerstören und ihrem Zweck zuwider handeln würde? Das menschliche Geschlecht würde ja zugrunde gehen, wenn nur Männer geboren würden. Und wenn es gegen die Willen der Natur und nur ein Fehler wäre, dass eine Frau gezeugt werde, dann würden nicht so viele Frauen wie Männer geboren, denn die Natur mache niemals so viele Fehler, wie sie Vollkommenes hervorbringe.

Dass es sogar mehr Frauen als Männer gebe, liege nicht nur an Kriegen, Reisen und anderen Gefahren, denen Männer ausgesetzt seien, sondern sei von Natur aus gut und notwendig. Nachweislich lebten in großen und bevölkerungsreichen (Stadt-)Staaten wie Nürnberg nicht nur mehr Frauen, vielmehr würden sogar etwas mehr Frauen geboren als Männer.

Zudem seien auch Frauen geistig und körperlich vollendet, soweit freilich, dass sie zur Zeugung von Menschen geeignet seien. Der Umstand, dass einige Frauen in Bezug auf ihr Temperament (hier im medizinischen Sinne gemeint) und die sonstige Konstitution ihres Körpers den Männern beinahe gleichkämen, sei keine Vollendung, sondern ein Makel. Und weil die Frauen bei der Zeugung andere Aufgaben hätten als die Männer, müssten sie auch in der Öffentlichkeit andere Aufgaben übernehmen und auf die ihnen eigene Bestimmung hingelenkt werden. Nur weil sie keine männliche Aufgaben übernähmen, dürfe man Frauen nicht geringschätzen, denn sie hätten andere Aufgaben.

Nun schreibe aber Plato im 5. Buch von De Republica, dass Männer gemeinsam mit Frauen den Staat verwalten sollten; und Plutarch schreibe an anderer Stelle, dass Frauen und Männer an virtus (Tatkraft, Mut, Tüchtigkeit, Tugend) gleich seien. Und Amazonen hätten Kriege geführt. An dieser Stelle folgen mehrere Beispiele antiker Herrscherinnen und Dichterinnen. Die genannten antiken Frauen, so fährt Sennert fort, hätten sich von den Aufgaben entfernt, die einer Frau zukämen. In diesem Bereich seien sie Männern unterlegen. Überlegen aber seien Frauen in Bezug auf ihre Schönheit, ihre elegante Gestalt, ihr Gesicht und die Anmut ihres ganzen Körpers.

Sennert zitiert an dieser Stelle ein Gedicht Anakreons[3], in dem die Natur jedem Tier seine eigene Aufgabe / seinen eigenen Bereich zuweist, den Männern die Klugheit und den Frauen die Macht der Schönheit.

Aber nicht nur in Bezug auf ihre Gestalt seien Frauen Männern überlegen und leisteten einen Dienst für die Gemeinschaft, sondern auch bei der Geburt und Erziehung von Kindern sowie bei der Leitung der Familie. Es folgen lobende Worte auf die Leistungen, die Frauen in diesen Bereichen erbringen.

Es gebe nicht wenige Krankheiten, die frauenspezifisch seien. Diese Tatsache habe antike und zeitgenössische Ärzte dazu veranlasst, eigene Bücher über Frauenkrankheiten zu verfassen. Sennert eifere diesen Ärzte nach. Denn nachdem er drei Bücher über Krankheiten geschrieben habe, die entweder beide Geschlechter oder nur Männer beträfen, schreibeu er nun ein Buch über Krankheiten und symptomata, die spezifisch für Frauen und für Kleinkinder seien.

Eigentliche Widmung und Bitte um wohlwollende Aufnahme dieses Buches, das der Freund Sennerts und Leibarzt Marias, Johannes Schletzer, überbringe.

Anmerkungen

  1. S. 257 in folgendem PDF: https://books.google.de/books?id=biJXAAAAcAAJ
  2. S. 466 in folgendem PDF: https://books.google.de/books?id=biJXAAAAcAAJ
  3. Es handelt sich um Fragment 24